Liebe Gemeinde,
groß war der Jubel, als Jesus in Jerusalem einzog. Groß war auch die Neugier auf den berühmten Wunderrabbi. Wer ist dieser Jesus? Und was wird er uns bringen? So mögen viele gedacht haben. Sie wollten ihn sehen, vielleicht ein Wunder erleben. Hatte er nicht sogar Tote auferweckt? Auch unter den Jüngern war Unruhe. Sie hofften: Hier, in der Hauptstadt wird er endlich sein Reich aufrichten, womöglich die verhassten Römer aus dem Heiligen Land jagen! Jesus aber ahnte, dass es ganz anderes geschehen wird und sagte: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Dieses Bibelwort aus dem Johannesevangelium Kap. 12,24 ist der Wochenspruch und begleitet uns durch die neue Woche. Wir wissen: Es wächst nur, wenn die Samenkörner in die Erde gelegt werden, begraben sind, sterben. Das ist doch klar! Was soll’s? Aber Jesus deutet damit an, was mit ihm geschehen wird: Er wird sterben! Vielleicht haben die Jünger in diesem Moment das nicht hören können. Später aber, nach seinem schrecklichen Tod am Kreuz und als er ihnen nach Ostern begegnet war, erinnerten sie sich an dieses Wort. Als sie rätselten, warum Gott ihren Jesus nicht gerettet hat, warum Gott die Hoffnung grausam sterben ließ – da fanden sie eine erste, vorsichtige Antwort. Langsam, ganz allmählich begannen sie zu ahnen: Dieses Sterben bringt Frucht. Der schmähliche Tod am Kreuz war nicht das Ende, sondern ist ein Beginn: Später konnte der Liederdichter Paul Gerhardt formulieren: „Sein Tod ist unser Sieg, sein Leiden unser Leben“. Der Gedanke breitete sich aus und man entdeckte: Wo überall Menschen für ihre Überzeugung, ihren Glauben starben, wuchs etwas Neues, Größeres, “Frucht” nennt es die Bibel. Schon in der Alten Kirche, vor 2000 Jahren, als viele Christen als Märtyrer umgebracht wurden, sagte man: „Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche.” Und wir wissen es in unserer Zeit zum Beispiel von Martin Luther King, dem schwarzen Prediger und seinem Traum von einer Welt, in der Schwarze eben so viel gelten wie weiße Menschen. Gewaltlos kämpfte er für diese Hoffnung. Und als er 1968 von weißen Fanatikern erschossen wurde, war das nicht das Ende, sondern der Beginn einer großen Bewegung hin zur Gleichberechtigung in den USA. Und wir? Was ist die Nachricht an uns heute? Wie erreicht uns die Hoffnung über das Sterben hinaus? Wie schaffen wir es solidarisch zu leben, ganz besonders jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie? Es gibt dazu viele Hinweise in den Medien. Wir lernen zwangsläufig neue Lebenssituationen kennen. Für Viele ist jetzt der Alltag mit Ratlosigkeit und Schmerz verbunden. Wir spüren auch die drängende Fragen: Gott, wo bist du? Mein Gott, warum nur? Und dann manchmal, später, hinterher, tastend und leise, können wir vielleicht entdecken, dass aus Leid, Belastung und Tod Neues gewachsen ist, Frucht: Ich weiß, hier gibt es nichts zu beweisen und keinesfalls sollen wir mit diesem Bibelwort unsere Ratlosigkeit übertünchen. Ich weiß, dass viele Fragen unbeantwortet sind und die aktuelle Lage und auch Gott rätselhaft bleiben. Aber ich habe auch erlebt, dass sich nach einem Schicksalsschlag neue Möglichkeiten zeigten und sich Wege öffnen. Der Wochenspruch lädt uns ein, nach solchen unerwarteten Früchten in unserem Leben zu suchen. Für mich heißt das jetzt in Zeiten von Corona auch nachzudenken, was es Neues für uns dazu zu lernen gibt, damit der „Weltinfarkt“ ausbleibt. Es ist jetzt die Zeit für Besinnung. Schauen wir bewusst nach dem, was konkret möglich ist zu tun und auch zu lassen. Auch das sind Spuren von Gottes Segen.

Es grüßt Sie Pfarrerin Angela Lau

GEBET
Großer Gott, wir bitten Dich um deinen Schutz über unser Leben, über unsere Lieben, unsere Dörfer und Städte, unser Land und unsere Welt. Sei mit uns heute und alle Zeit und in Ewigkeit, Amen